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Der Beginn der Abwasserbehandlung in Berlin

Schon bald nach der ersten urkundlichen Erwähnung Berlins im Jahr 1237 begann auch der Teil seiner anrüchigen Geschichte.
Die Menschen sahen damals wenig Sinn ihre ländlichen Gewohnheiten nur deshalb zu ändern, weil sie plötzlich zu hunderten und tausenden beisammen wohnten.
So schilderte STRECKFUSS (1886) das Leben in Berlin im Jahre 1350 wie folgt:
"Die Häuser standen fast sämmtlich einzeln; zwischen ihnen zogen sich Gänge hin, aus denen oft ein unmöglicher Geruch herausströmte, denn man benutzte diese Zwischenräume zu Kloaken. Die Strassen waren nur zum Theil gepflastert, sie wurden von den Bürgern ohne Scheu zur Aufsammlung des Düngers benutzt, große Misthaufen thürmten sich zur Seite der Hausthür auf, denn die meisten Bürger waren zu dieser Zeit Ackerwirthe und Viehhalter. Auf dem Markt und den Kirchplätzen wurden Kehricht und anderer Unrath in so großen Haufen geschüttet, daß es oft gefährlich war, diese Plätze zu passieren."
Zu dieser Zeit lebten etwa 6-7.000 Menschen in den Gemeinden Berlin und Cölln. 1871 lebten fast 1 Million Menschen in Berlin.
Die meisten von ihnen verrichteten ihre "kleinen" und "grossen" Geschäfte auf Plumpsklos. Darüber hinaus existierten etwa 16.000 Wassertoiletten die jedoch aufgrund fehlender Kanalisation in den Rinnstein oder direkt in die Flüsse und Kanäle entwässerten.

Die Folge waren häufige Epidemien durch verunreinigtes Wasser.
Öffnen der Grafik in einem neuen Fenster1873 dann endlich begann - nach langen politischen Auseinandersetzungen - der Ausbau der Kanalisation in Berlin. Die Stadt bildete eine Baukommission unter der Leitung von Virchow und Hobrecht. Schon kurze Zeit nach dem Aufbau des Abwassersystems sank die Zahl der Typhus-Erkrankungen drastisch.
1887 waren schon 1,15 Mill. Berliner an das Rieselfeldsystem angeschlossen; die Abwassermenge beträgt 42 Mill m³/Jahr. 26 Jahre später besitzt die Stadt Berlin 14.364 ha Rieselgüter mit 8.563 ha direkter Verrieselungsfläche. Mit der weiteren Verbreitung und der zunehmenden Industrialisierung nimmt aber auch der Anteil an Industrieabwässern zu.

Kanalisation mit Blick über die Stadt

1926 sind 7,3 % aller eingeleiteten Abwässer Industrieabwässer, die hohe Anteile an Schwermetallen und anderen Schadstoffen enthalten.
Ab 1967 wurden 1.133 ha der Bucher Flächen auf den Intensivfilterbetrieb umgestellt. Die Becken wurden nun mit teilweise mehr als 10.000 mm/a. 1984 mit der Inbetriebnahme des Klärwerkes Nord bei Schönerlinde verloren die Rieselfelder ihre einstige Bedeutung und die Rieselfeldwirtschaft wurde eingestellt.

Doch die Rieselfelder zeigen deutliche Spuren der Industriealisierung. Auch wenn dem anfänglich keine große Bedeutung beigemessen wurde, seit den sechsziger Jahren war es doch offensichtlich: Die Rieselfelder hatten sich zu einer Altlast entwickelt und stellen nun selbst ein Problem dar. Durch die fast hundertjährige Rieselfeldwirtschaft vor den Toren der Stadt hatten sich - mit dem Abwasser - große Mengen Schwermetalle und auch organische Schadstoffe im Boden angereichert. Daher gelten die ehemaligen Rieselfelder bis heute als Altlastenverdachtsflächen. Durch umfangreiche Maßnahmen zur Sicherung und Sanierung werden seither mögliche Gefahren für Mensch und Umwelt abgewehrt. Heute sollen die Flächen zu einer offenen, waldgeprägten Erholungslandschaft umgestaltet werden.


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