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Modellprojekt zur Sanierung der Rieselfelder in Berlin-Buch

Ehemalige Rieselfelder um Berlin stellen großflächige Altlastenstandorte dar. Die Brandenburger Flächen sind gemäß Landesabfallgesetz (§ 29.4) als Altlastenstandort anerkannt. Bei einer Orientierung an der Berliner Liste (SENSUT 1996) geht von den Rieselfeldböden unter anderem eine Gefährdung der Schutzgüter Mensch und Grund-wasser aus. Seit Mitte der 70iger Jahre sind diese Bodenbelastungen im Bereich Berlin-Buch bekannt. Für Cadmium, Blei, Kupfer, Zink, Sulfat und Nitrat konnten z.B. in mehrjährigen Untersuchungen kontinuierliche Überschreitungen der Schadenswerte im oberflächennahen Grundwasser (Kapillarsaum) festgestellt werden.
Nach dem bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand können schwer-metallbelastete Gebiete weder ökonomisch effektiv, noch ökologisch verantwortbar saniert bzw. gesichert werden. Allein die landgestützte Abwasserentsorgung hat im Berliner Umland zur Entstehung von ca. 12.000 ha potenziell kontaminierten Flächen geführt, deren Schwermetallgehalte die Maßnahmenwerte der BBodSchV (1999) zum Teil um ein Vielfaches überschreiten. Aus diesem Grund müssen neue Schritte im Bereich des Bodenschutzes unternommen werden, die es ermöglichen die von solchen Standorten ausgehenden Gefahren für Menschen, Wildtiere, Grund-wasser und Pflanzen abzuwehren.
Um diese Flächen zu sichern wurde die Idee entwickelt, lehmiges bzw. toniges, kalkhaltiges Substrat (Geschiebemergel), das im Rahmen von Baumaßnahmen in Berlin anfällt, zu nutzen. Auf einer Pilotfläche von 12 Hektar wurde das Ver-fahren getestet und seither kontinuierlich wissenschaftlich begleitet. Durch ein geeignetes Verfahren soll das Bodenmaterial zu einer Verbesserung des Schadstoffbindungsvermögens, des Wasserhaushaltes sowie der Bodenstruktur beitragen.

Durch das Einarbeiten des Mergels in den belasteten Rieselfeldboden sollen vorrangig die folgenden sieben Ziele erreicht werden:

Bildung von stabileren Bindungsformen der Schwermetalle im Boden sowie eine Reduzierung der Schwermetallverlagerung (WILKE et al. 1996, HOFFMANN & RENGER 1998).
Verringerung des ökotoxikologischen Potentials und einer Verminderung von schädlichen Auswirkungen auf Pflanzen, deren Wurzeln sowie Mikroorganismen durch niedrigere Schadstoffkonzentrationen in der Bodenlösung (KANDELER et al. 1998).
Die Einbringung von Mergel in den Boden führt einerseits zu einer Düngung der vorhandenen Baumbestände und trägt andererseits zur langfristigen Erhöhung der Nährstoffspeicherfähigkeit sowie der Nährstofffreisetzung aus der Mineralverwitterung bei.
Der erhöhte Schluff- und Tongehalt im Boden verbessert die Wasserspeicherkapazität und führt damit zu besseren Erfolgen bei der Aufforstung, da Wasser auf diesen Standorten in erster Linie den limitierenden Faktor für das Pflanzenwachstum darstellt (SCHLENTHER et al. 1996)

Die schnelle Begründung gesunder Waldbestände führt, zum einen über die Reduzierung der Grundwasserneubildung, zum anderen über die Aufnahme von mobilen Schwermetallen mit dem Bodenwasser, zu einer effektiven Verlangsamung der Schadstoffverlagerung.

Durch eine mindestens viermonatige Überlehmung kann die sonst dominante Quecke fast komplett verdrängt werden und somit Raum für eine artenreichere Vegetation aus dem Samenpotenzial des Bodens geschaffen werden.

Die Erhöhung des Tongehaltes im Boden führt zu einer Bildung von stabileren Bodenaggregaten. In Verbindung mit einem ausgeglicheneren Wasserhaushalt trägt das zu einem besseren Schutz gegen eine Stoffverlagerung durch Auswaschung und Winderosion bei.

Die Pilotphase wurde Ende 1999 abgeschlossen und das Verfahren zur Sicherung und Sanierung durch das Einmischen von Bodenmaterial wird auf einer größeren Fläche eingesetzt. Dabei wurden durch Mitarbeiter des Projektes, in Zusammenarbeit mit der Revierförsterei Buch und den Berliner Forsten, in sondierenden Untersuchungen besonders belastete Bereiche ausgewählt, auf denen es zu einer Verlagerung von Schwermetallen mit dem Sickerwasser kommt. Zur Zeit (Juli 2001) sind etwa 80 ha mit Bodenmaterial bedeckt. Die Ergebnisse des Verfahrens werden hier vorgestellt.
Wichtige Schwerpunktaufgaben im Rahmen des Sanierungsprojektes sind Untersuchungen zu:

  • Auswirkungen der Überlehmung auf die Schadstoffkonzentrationen im Bodenwasser
  • Auswirkungen der Maßnahme auf das Bodenleben sowie auf die Wiederbesiedlung der Standorte mit Pflanzen
  • Auswirkungen der Überlehmung auf das Abbauverhalten organischer Schadstoffe
  • Modellierung des Schwermetallverhaltens im Boden
  • Transferverhalten von Schadstoffen im Pfad Boden-Pflanze nach der Überlehmung
  • Entwicklung des Bodengefüges nach dem Eingriff des Fräsens
  • Qualitätskontrolle des aufgebrachten Bodenmaterials

Darüber Hinaus finden Sie umfangreiche Materialien, Forschungsberichte, ausgewählte Veröffentlichungen von Projektmitarbeitern sowie eine umfangreiche Literatursammlung über Rieselfelder und die Probleme der Schadstoffbelastung auf diesen Seiten.


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